Die Veranstaltung ist eine wichtige Fachtagung im Bereich der Bauakustik – organisiert vom Verband der Materialprüfungsämter (VMPA) gemeinsam mit der PTB und der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA). Das Publikum: Prüfstellenleiter und Fachleute, die täglich mit den Anforderungen des Schallschutzes arbeiten. Genau das richtige Umfeld, um Praxiswissen zu teilen und neue Impulse mitzunehmen.
Vortrag 1: Wenn die Setzstufe zur Schallbrücke wird
Martin Gierens stellte einen Fall vor, der zeigt, wie hartnäckig Trittschallprobleme sein können und wie systematisch man ihnen begegnen muss. Ausgangslage: ein exklusives Münchner Mehrfamilienhaus mit entkoppeltem Treppenbelag aus Naturstein. Die erste Messung ergab L‘n,w = 56 dB – deutlich schlechter als die geforderten ≤ 47 dB. Fehlersuche in mehreren Runden: falsche Trittschalldämmung? Körperschallbrücken im Bereich der Fugen? Kopplungen am Podest? Alles geprüft und ausgeschlossen. Das mögliche Problem: Die Winkelstufen belasteten die Trittschalldämmung auf Schub statt auf Druck. Damit wirkte jede Setzstufe als flächige Schallbrücke. Die konstruktive Lösung: Setzstufe mit weichem Dämmstoff hinterfüllen, Fugen zwischen den Winkelstufen lassen. Ergebnis: 11 dB Verbesserung – bei gleicher Trittschalldämmung und gleichem Belag.
Vortrag 2: Gegenüberstellung bauakustische Messergebnisse / Prognose
Dr. Ingo Heusler präsentierte ein Pilotprojekt zum Gebäudetyp E – ein baurechtliches Konzept, das vereinfachtes Bauen ermöglichen soll, um Wohnraum bezahlbarer zu machen. Die Herausforderung: Für die gewählte Holzhybridbauweise und den Deckenaufbau mit Spannbetonhohldielen, Ausgleichsschüttung, Trittschalldämmung und Trockenestrich existiert kein anerkanntes, bauakustisches Rechenverfahren. Resultat der Planung: Abstimmung einer Abweichung von DIN 4109 mit der Genehmigungsbehörde in Bezug auf den Trittschallschutz der Decken. Das Messergebnis vom 25. Juni 2026 zeigte jedoch: Die tatsächlichen Werte übertreffen die vereinbarte Anforderung um jeweils rund 10 dB – vereinbarter und erhöhter Schallschutz werden beide eingehalten. Die hohen (hier positiven) Abweichungen zwischen Prognose und Messungen sorgten für Unverständnis und Unmut bei Bauherrin und Architekt. Derzeit sind umfangreiche Forschungsarbeiten zum Leicht-/Holz- und Hybridbau im Gange, so dass zukünftig mit genaueren Planungsdaten zu rechnen ist. Das Fazit des Vortrags: Einfaches Bauen und guter Schallschutz sind kein Widerspruch. Aber: Schallschutz auf Basis fehlender Rechenmodelle zuzusichern, bleibt für Fachplaner ein Haftungsrisiko. Messungen am Mockup (Prüfstand/Baustelle) können bei Sonderkonstruktionen wertvolle Abhilfe schaffen.
